Geld & Kapital

Der Blog rund um die Finanzwelt

Sie sind das Kapital!

April 06, 2010 Von: admin Kategorie: Allgemein

oder wie jeder Banken enteignen kann.

Wer sein Geld in die üblichen Fonds einzahlt, braucht sich nicht zu wundern, wenn es zur Finanzierung risikoreicher Wertpapiere missbraucht wird. Es gibt mittlerweile recht gute Alternativen.

So wie es die Berliner Lehrerin Christiane Jahnkow (47) gemacht hat, machen es in Deutschland immer mehr Anleger. Frau Jahnkow hat sich kürzlich ihr lange verschollenes Eigentum wieder angeeignet. Möglicherweise hat es in der Zeit des “verschollen Seins” dabei ziemliche Schäden angerichtet. Das wollte Frau Jahnkow nicht länger mitansehen. Also ging sie zu ihrer Hausbank und zu einer Bank in Bonn, wo ihre Mutter ein Konto unterhielt, und kündigte die Beteiligung an mehreren Investmentfonds.

Damit tat sie wohl das Schlimmste was es für eine Bank gibt – ihr das Geld wegzunehmen. Die Lehrerin aber ließ sich von all den Kundenberatern nicht irritieren. Sie nahm die sauer verdienten Euros und zahlte damit zum Erstaunen der Banker auch den noch offenen Kredit für die Eigentumswohnung ihrer Mutter ab. Doppelter Verlust für das Institut, denn diese bekommt dadurch keine Zinsen und Gebühren mehr und doppelter Gewinn für Frau Jahnkow und ihre Familie.

So etwas ist “Enteignung” in neuer Form. Doch eigentlich trifft dieser Begriff hier nicht zu. Wer sein Geld brav zur Bank trägt, verliert nicht automatisch das Eigentumsrecht daran. Und doch kommt die Wiederaneignung des individuellen Vermögens, die Rücknahme des Geldes in die persönliche Verfügungsgewalt, der Enteignung der Banken gleich. Betrachten diese doch die ihnen anvertrauten Mittel als faktisch eigenes Kapital, das sie auch gegen die Interessen der Privatinvestoren einsetzen. Wer sein Geld in die üblichen Fonds einzahlt, braucht sich nicht zu wundern, wenn dieses schließlich zur Finanzierung aller möglichen Arten risikoreicher Wertpapiere missbraucht wird, die die Finanz- und Wirtschaftskrise verursachten – und nur damit die Banken noch fettere Gewinne einfahren können.

Weitere Berichte zu diesem Thema folgen in Kürze.

Sie sind das Kapital! Teil 3

August 16, 2010 Von: admin Kategorie: Allgemein

Es ist nun an der Zeit, dieser Konfliktökonomie des Finanzkapitalismus eine neue Zivilökonomie entgegenzusetzen. Diese Strategie hat den Vorteil: Wer sich selbst engagiert, wartet nicht nur auf Reaktionen und Gesetze des Staates. Klar ist: Die neue Weltwirtschaftsordnung muss kommen. Hedgefonds sollte man abschaffen und Investmentbanken streng regulieren. Aber bis dahin kann man schon mal anfangen, ein paar praktische Dinge selbst zu erledigen.

In dieser neuen Zivilökonomie geht es nicht nur um einen bewussteren Umgang mit dem eigenen Kapital, sondern die Arbeit spielt eine große Rolle. Es ist möglich, sie gegen die herrschende Logik selbstbestimmter und autonomer zu gestalten. Gerade die Krise zeigt, dass auch am Arbeitsplatz neue Strategien der Selbsttätigkeit möglich sind. Noch wird kaum zur Kenntnis genommen, welcher Wandel sich in einigen Unternehmen vollzieht. So befindet sich General Motors, einer der größten Autoproduzenten der Welt, seit ein paar Monaten im Mitbesitz der Belegschaft. Dem Pensionsfonds der Gewerkschaft UAW gehören 17,5 Prozent der Anteile.

Ähnliches verlangt die Gewerkschaft IG Metall nun auch für die GM-Tochter Opel, außerdem für Daimler und das Maschinenbau-Unternehmen Schaeffler. Wenn die Beschäftigten einen finanziellen Beitrag zur Sanierung dieser Firmen leisten sollen, lautet die Argumentation der IG Metall, so müssten diese eine Gegenleistung in Form von mehr Mitsprache erhalten. Weil einige Unternehmen in großen finanziellen Problemen stecken, könnten diese gezwungen sein, auf derartige Wünsche vermehrt einzugehen.

Darin liegen zwar Risiken für die Beschäftigten: Sie müssten In Krisenzeiten nicht nur um ihre Arbeitsplätze, sondern zusätzlich auch noch um ihr Kapital bangen, welches im Unternehmen gebunden ist. Andererseits bietet eine stärkere Beteiligung aber ungeheure Chancen. Neben den ihnen gesetzlich ohnehin zustehenden Aufsichtsratsitzen dürften die Beschäftigtenaktionäre dann zusätzliche Mandate in den Kontrollgremien beanspruchen, was ihnen unter Umständen die Mehrheit einbrächte. Die arbeitenden Menschen hätten das jeweilige Unternehmen tatsächlich in der Hand. Der langweilige Begriff “Mitbestimmung” erhielte einen ganz neuen Klang.

So eröffnet die Krise glücklicherweise wieder den Blick darauf, dass die Wirtschaft von Menschen gemacht wird. Nicht nur von Kapitalbesitzern und Managern, sondern auch von Bürgern, die ihre unternehmerische Seite entdecken. Wer mit seinem Geld, seinen Fähigkeiten, seinen Ideen bewusst, verantwortungsvoll und wirtschaftlich umgeht, kann Gestaltungsfreiheit und Lebensqualität hinzugewinnen.

Wer etwa eine kleine Firma gründet, kann sich nicht nur einen Arbeitsplatz schaffen, sondern längerfristig – falls der Betrieb wächst – auch Einfluss auf die Gesellschaft ausüben. In diesem Sinne entwickelt Günter Faltin, Professor an der Freien Universität Berlin, mit seinen Studenten Konzepte für neue Unternehmen. Manche schlagen dermaßen ein, dass sie reihenweise kopiert werden. So präsentiert Faltin auf einem Regal seines Labors für Entrepreneurship ein Dutzend Plagiate des Tees, den er unter dem Firmennamen “Teekampagne” seit Jahren aus Indien importiert und verkauft.

Diese und andere Beispiele belegen: Eine neue Zivilökonomie, die sich auch gegen große Unternehmen durchsetzen kann, ist möglich. Sie beruht auf der kreativen Wiederaneignung von Kapital und Know-how durch die Bürger. Damit wird man wohl sicherlich nicht gleich den Finanzkapitalismus aus den Angeln heben. Aber mehr Autonomie und Lebensqualität lassen sich dadurch schon erreichen.

Sie sind das Kapital! Teil 2

April 09, 2010 Von: admin Kategorie: Allgemein

Wie schon im letzten Bericht erwähnt, sind auf dieselbe Idee wie die Berliner Lehrerin im vergangenen Jahr noch andere Leute gekommen. Um 100.000 sank 2008 die Zahl der Bundesbürger, die Anteile an Investmentfonds besaßen. Das geht aus einer Statistik des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) hervor, in dem sich große Kapitalanlagefirmen zusammengeschlossen haben. Der Verlust für die Institute hält sich zwar in Grenzen: Insgesamt ging die Zahl der Fondsbesitzer nur von 16 Millionen (2007) auf 15,9 Millionen zurück. Aber das könnte ein Anfang sein.

Diese Bürger handelten wahrscheinlich aus zwei Motiven. Zum Einen, Sie hatten Angst, dass die Krise ihr Vermögen komplett aufzehrt. Zweitens aber hatten sie den Eindruck, dass der Finanzkapitalismus im Konflikt liegt mit dem, was sie sich unter einem gutem Leben vorstellen. Schließlich wurde die aktuelle Krise dadurch ausgelöst, dass Großinvestoren an den Börsen gigantische Gewinne mit risikoreichen Geschäften erwirtschafteten, für deren Billionen-Verluste nun die Allgemeinheit aufkommen muss.

Dass es andere Möglichkeiten gegen diesen Irrsinn des Anlegens gibt, beweisen Statistiken aus der Finanzwelt, die leider nicht allzu oft zitiert werden. Bei den Investmentfonds, über die der BVI berichtet, gingen zwischen Januar und August 2009 etwa 87 Prozent weniger neue Mittel ein als im gleichen Zeitraum 2007 und zwischen Januar und August 2009 betrug der Zuwachs lediglich rund 5,7 Milliarden Euro. 2007 hatte das Volumen dagegen um fast 46 Milliarden zugenommen. Scheinbar hat kaum noch jemand Lust, sein Geld in die konventionellen Fonds der schlecht bewerteten Institute zu stecken.

Auf der einen Seite kann man den Banken das Kapital, sofern man welches hat, einfach wegnehmen und es in die eigenen Immobilien, die Ausbildung der Kinder oder in den Konsum stecken. AUf der anderen Seite ist es aber auch möglich, das Geld an den richtigen Stellen des Kapitalmarktes zu investieren. Während die alt eingesessenen Banken immer weniger Geld erhalten, verzeichnen andere Institute einen enormen Zuwachs. So berichtet die Bochumer GLS-Bank, die sozial- und umweltverträgliches Investment anbietet, dass die Zahl ihrer Kunden seit Anfang 2008 von 55.000 auf mittlerweile 70.000 angestiegen ist. Die Bilanzsumme wird dieses Jahr um rund 30 Prozent auf mehr als 1,3 Milliarden Euro wachsen. Andere Banken, die sich auf Öko-Investment spezialisiert haben berichten Ähnliches.

Trotzdem ist der Anteil ethischen Investments in Deutschland noch noch viel zu gering. Lediglich ein bis zwei Prozent des gesamten Spar- und Anlagevermögens wird von Unternehmen verwaltet, die sich vermehrt an ökologischen und sozialen Kriterien orientieren. Die Idee der Ausweitung des Konsums hat auf dem Feld der Kapitalanlage bisher kaum Fuß gefasst.

Hier steht noch aus, was den “Neuen Ökos”, den Anhängern des Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability), aber auch Bürgerrechts- und Entwicklungsorganisationen inzwischen gelungen ist. Der Einkauf von Energie, Nahrungsmitteln, Textilien, Autos, Kosmetika und anderen Produkten gilt mittlerweile bis zu einem bestimmten Grad als politische Entscheidung. Auf diese Art und Weise üben die strategischen Verbraucher erfolgreich Druck auf Unternehmen aus, Produkte wie Biolebensmittel, fair gehandelte Kleidung sowie Ökostrom anzubieten.

Daran kann man klar erkennen, dass die politische Zivilgesellschaft mittlerweile in Ansätzen beginnt, eine Zivilökonomie hervorzubringen. In den letzten Jahrzehnten haben sich Friedensinitiativen, Umwelt- und Bürgerrechtsorganisationen für eine Politik der Mitsprache von unten engagiert. Den Forderungen nach einer Politik des “mit einbezogen Werdens” folgt nun konsequenterweise der Ruf nach einer Ökonomie des “mit einbezogen Werdens”.